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Mit
dem Gespann durch den Eisernen Vorhang – |
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Ein folgenreiches Rennen 1987 Was sind 1.000 Kronen?
Walter Netterscheid nahm schon immer gerne zwischen den Läufen zur Deutschen- und zur Weltmeisterschaft an internationalen Rennen im Ausland teil. Entweder fuhr er dazu nach Holland, weil der Weg von Buschhoven bis dahin nicht so weit war oder er fuhr nach Frankreich, weil die Franzosen ein im Verhältnis hohes Startgeld zahlten. Bei den zusätzlichen Preisgeldern, die für die ersten Plätze in Aussicht gestellt wurden, konnte trotz der weiten Anreise mitunter sogar noch etwas Geld übrig bleiben. Walter Netterscheid war zu der Zeit noch Amateur, der in der Woche seinem Beruf als Heizungsbauer nachgehen musste. Allgemein musste das Team um Netterscheid sich stets sämtliche Ausgaben sehr wohl überlegen und der Kassenbestand durfte nicht aus dem Blick geraten. „1.000 Kronen“, fragte sich Walter
Netterscheid, „was sind 1.000 Kronen? Sind das 1.000 DM
oder wieviel ist das?“ Mit diesen Worten gab er die Frage
an Helmut Todemann weiter, der
sich auch für Netterscheids Moto-Cross-Sport interessierte
und bei der Raiffeisenbank in Buschhoven als Bankkaufmann tätig
war. Todemann hatte sich selbst schnell kundig gemacht und teilte
Netterscheid mit, dass die 1.000 Kronen etwa so viel wie 90 DM
seien. Auf diese Information hin war Netterscheid enttäuscht:
90 DM, das reichte ja noch nicht einmal für den Sprit der
Hinfahrt. Das Thema Rennen in Oubenice war damit zunächst
einmal gestorben und Netterscheid gab den Brief zu Hause seiner
Frau zur Ablage. Durch den Eisernen Vorhang hindurch Nach der Zusage mussten zunächst einmal ganz außerordentliche Hinderniss genommen werden, denn in ein sozialistisches Ostblockland konnte man von der „BRD“ aus nicht so einfach einreisen, wie etwa in die Niederlande. Walter Netterscheids Frau Angelika sorgte im Team während der Rennen nicht nur für das leibliche und das seelische Wohl, sie war es stets, die schon lange vor den Rennen den relativ umfangreichen „Papierkram“ erledigte. So lag es dann wie selbstverständlich an Ihr, für die Teamteilnehmer die passenden Visa zu beschaffen. Ohne diese Dokumente war keine Einreise in der CSSR möglich. Zum Glück war damals der Weg bis zur Botschaft der CSSR noch nicht so weit, denn das naheliegende Bonn war damals noch Bundeshauptstadt und wo Bonn war, da waren auch die Botschaften aller Länder unserer Welt nicht weit. Ganz und gar ein Kind aus dem Rheinland, nahm Angelika Netterscheid sogar eine ganze Tasche voll mit Aufklebern und Schirmmützchen der Sponsoren mit. Tatsächlich sollen sich damit die Visabeantragung vereinfacht und die Wartezeit verkürzt haben. Bei Beifahrer Ralf Hoormann stand damals noch eine ganz andere Frage im Raum. Da Hoormann Soldat der Bundeswehr war, bestand zunächst die Befürchtung, dass sein Dienstherr ihn nicht in ein gegnerisch gesinntes Warschauer-Pakt-Land reisen lassen wollte. Glücklicherweise konnte Ralf Hoormann aber auch dieses Problem lösen. Am Freitag vor dem Rennwochenende startete der Team-Tross aus Transportbus mit dem Renngespann, allen wichtigen Ersatzteilen sowie der Familie Netterscheid an Bord und dem Wohnwagen im Schlepp. Hinzu kamen noch die PKW des Beifahrers und der Monteure. Alle fuhren sie in Richtung Oubenice, das etwa 60 km südwestlichlich von Prag liegt. Mit dabei waren massenweise Sponsor-Aufkleber und Sponsorkäppchen. Angelika Netterscheid hatte ja schon erfahren können, dass diese Dinge im Ostblock sehr gefragt waren und deshalb sehr hilfreich sein könnten, etwa auch am Grenzübergang. Tatsächlich fanden sich insbesondere an der Grenze viele dankbare Abnehmer in Uniform, jedoch hatten diese letztendlich dann doch wohl nichts mit der Kontrolle des Teams Netterscheid/Hoormann zu tun. Der Teamtross wurde an der damaligen „Grenze zwischen den Welten“ gründlichst „gefilzt“. Bis auf die Zeit, die dafür verstrich, verlief diese Aktion jedoch problemlos. Endlich auf tschechischem Boden, ging die Reise nur mit unerwartet gemindertem Tempo weiter, denn die Straßenverhältnisse dort waren für bundesdeutsche Verhältnisse ungekannt miserabel. Erst sehr spät am Abend erreichten sie Oubenice. Es war schon dunkel und auf den letzten Kilometern war das rechte Rad des Wohnwagens noch unvermittelt in ein so tiefes Schlagloch geraten, dass es nicht mehr so richtig heraus konnte und die die Wohnwagenachse davon Schaden nahm. Am nächsten Tag musste die beschädigte Achse mit Hilfe eines Schweißgerätes im Fahrerlager noch repariert werden, damit die Rückreise nach dem Rennen überhaupt ohne große Verzögerung im Rahmen der im Visa vermerkten Fristen möglich war. Der Empfang durch die Tschechen war freundlich und herzlich zugleich. Der Veranstalter war froh über jeden bekannt guten Fahrer aus Westeuropa. Die westeeuropäischen Fahrer waren umgekehrt aus Sicht der Tschechen sicherlich die Exoten von der anderen Seite des Eisernen Vorhanges. Am Ende gab es viele Gewinner Am nachfolgenden Samstag fielen Walter Netterscheid schon die für ein freies Training vorhandenen außerordentlich vielen Zuschauer auf. Und Am Renntag selbst waren gar etwa 25.000 bis 30.000 Zuschauer erschienen, die sich sichtbar über die Fahrer aus den kapitalistischen westeuropäischen Ländern mit Ihren außerordentlichen, superschnellen und hypermodernen Gespannen freuten. Viele WM-Veranstalter im Westen wären froh gewesen, wenn schon ein Drittel der Zuschauer von Oubenice ihren WM-Lauf besucht hätten. Das Rennen hätte für Netterscheid/Hoormann kaum besser laufen können: Schon mit dem guten Trainingsergebnis hatten die beiden für besondere Aufmerksamkeit unter den Zuschauern gesorgt, sodass sie bereits vor dem Start als Favoriten gehandelt wurden. Im Rennen lieferten Sie eine satte Leistung ab und fanden sich bei der Siegerehrung als „die Gesamtsieger“ ganz oben auf der Siegertreppe. Das Rennen war für den tschechischen Veranstalter eine Art Generalprobe, bei der auch Beobachter der FIM zugegen waren, denn im Folgejahr sollte auf dieser Strecke in Oubenice erstmals der tschechische WM-Lauf ausgetragen werden. Die FIM war von der Zuschauerzahl begeistert und von der Leistung des Veranstalters überzeugt, sodass der WM-Staus des Rennens für das nächste Jahr in trockene Tücher kam. Die vielen Zuschauer des Rennens hatten sich indessen gut gemerkt, wer mit welcher Leistung den Gesamtsieg eingefahren hatte. Vor der Abreise des rheinischen Teams ließ sich Rennleiter Frantsek Hejnal nicht lumpen: Er zahlte die versprochenen 1.000 Kronen und übergab reichlich edles böhmisches Kristallglas an die Sieger. |
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WM-Lauf 1988 – Sieg auf vielen Ebenen Nach der
gelungenen Veranstaltung 1987 fand im Folgejahr auf der selben
Stecke erstmals also ein WM-Lauf für Moto-Cross-Seitenwagen
in der CSSR statt.
Angenehm verblüfft Noch vom Vorjahr kannte Netterscheid, den Veranstalter und die Streckenverhältnisse. Als er mit seinem Transporter und Wohnanhänger wieder am späten Freitag-Abend im Fahrerlager eintraf, da fiel ihm schon auf, dass offenbar noch mehr Zuschauer angereist waren als im Vorjahr. So ein WM-Rennen mit westlicher Beteiligung war in einem Ostblockland eben etwas ganz besonderes. Der Platz, auf dem die Zuschauer mit Ihren Zelten übernachten durften, lag unmittelbar neben dem Fahrerlager, nur durch einen Zaun abgegrenzt. Als Netterscheid seinen Wohnwagen noch nicht richtig abgestellt hatte, da musste er schon nach einem kurzen Blick rüber ins Zuschauerlager kurz stutzen und nochmals genau hinschauen, um auch wirklich zu glauben, was er da sah: Gleich mehreren große Spruchbändern – es waren wohl früher einmal Betttücher gewesen – waren dort aufgestellt und auf denen stand dort groß und deutlich zu lesen: „Wir grüßen Walter Netterscheid!“. Und als er sich anschließend die Zelte und die dort stehenden Fahrzeuge anschaute, ob das wohl Bekannte aus dem Rheinland waren, konnte er ausschließlich Trabbis, Wartburgs und MZ-Motorräder, mit und ohne Seitenwagen erkennen und alle hatten DDR-Kennzeichen. Daran hatte er bis dahin gar nicht gedacht, dass hier nach Oubenice viele Zuschauer aus der DDR hingekommen würden. Den Reisemöglicheiten zwischen den sozialistischen Bruderstaaten des Ostblocks lagen erleichterte Bedingungen zugrunde; Reisen von DDR-Bürgen in den Westen, waren regulär nur DDR-Bürgern im Rentenalter erlaubt, deshalb sah man im Westen bis 1989 solche Fans nie. Später hörte Walter Netterscheid vom Veranstalter, dass es über 10.000 Zuschauer aus der DDR waren, die den Weg zum WM-Lauf nach Oubenice gefunden hatten. Für Walter Netterscheid war das das erste große unerwartete Erlebnis so viele Fans in dem Deutschland jenseits des Eisernen Vorhangs zu haben. Im Westen hatte er solches noch nie erlebt. Hier war er am Freitagabend durch die Spruchbanderlebnisse schon „irgendwie angenehm verblüfft“. „ ... bekamen am ganzen Körper eine Gänsehaut“ Am nächsten Morgen, also am Samstag, hatte das Team schnell das Gespann startklar gemacht, sodass sich Netterscheid schon bald zusammen mit seinem Beifahrer Jürgen Hassold auf den Weg zum freien Training begeben konnte. Vom Fahrerlager aus , hatten sie bereits den Eindruck gewonnen, dass außerordentlich viele Zuschauer erschienen waren, es müssen schon an die 25.000 gewesen sein, die dem freien Training beiwohnten. In dem Moment, als die beiden für die erste Trainigsrunde vom Fahrerlager auf die Start- und Zielgerade einbogen und damit für die vielen dort befindlichen Zuschauer ins Blickfeld gelangten, geschah das nächste Unerwartete. Walter Netterscheid, noch heute voller Verwunderung und Faszination: „ Als der Jürgen und ich auf der Bildfläche erschienen, da standen auf einmal alle Zuschauer auf, es müssen einige Tausend gewesen sein, und klatschten in die Hände und jubelten uns zu. So etwas hatten wir auch noch nicht erlebt, wir bekamen am ganzen Körper eine Gänsehaut“. Friedhelm Zabel hatte das auch beobachtet und erzählte den beiden später, dass er mit Hans Joachim Sterr, dem Reporter der Zeitschrift Motocross-Aktuell zusammen gestanden habe, als die Zuschauer auf das Erscheinen von Netterscheid/Hassold so ungewohnt reagierten. Sterr äußerte sich verwundert gegenüber Zabel: „Was ist denn jetzt los?“ , worauf Zabel ihm bloß geantwortet haben soll: „ Das ist der Netterscheid!“
Bekannt war Netterscheid hier in der Tat noch aus dem Vorjahr, wo er sich zusammen mit Ralf Hoormann den Gesamtsieg geholt hatte. Das hatten sich auch viele Tschechen gemerkt. Wer von den Tschechen im Vorjahr nicht dabei war, wurden im aktuellen Progammheft und in den Vorberichten der lokalen Presse sowohl über Netterscheids Vorjahreserfolg genauestens informiert als auch über das gute Abschneiden von Netterscheid/Hassold beim vorausgehenden WM-Lauf in Frankreich, den die beiden als Sieger bendeten. Die beiden galten gegenüber den WM-Führenden aus der Schweiz, den Gebrüdern Hüsser, als deren Kontrahenten schlechthin und so erwartete man von denen aus gutem Grund, dass sie in den beiden Rennläufen für reichlich Spannung sorgen würden. 37 Punkte Am Rennsonntag waren beim Start zum ersten Lauf mindestens 35.000 begeisterte Zuschauer erschienen. Eine schier unglaubliche Zahl für ein Moto-Cross-Rennen und bei den meisten von denen zählten Netterscheid/Hassold zu den absoluten Favoriten des Rennens. Das Gros der Blicke richteten sich wohlwollend und zugleich erwartungsvoll auf Netterscheid/Hassold.
Tatsächlich kamen Netterscheid/Hassold mit den beiden Rennläufen sehr gut zurecht. Überhaupt war an der Strecke eine Passage, die Walter Netterscheid wie folg beschreibt: „ ... dort ging es zunächst eine steile lange Auffahrt hoch, oben kurze eine Kehre nach links und danach flog man schon wieder auf eine Steilabfahrt zu, ohne sehen zu können, wohin der Flug genau führte. Ganz weit sprang man man dort ins Leere hinein und fand sich dann auf einmal mitten in einem Riesenmeer von Zuschaueren, die beiderseits der Strecke standen und offenbar nur auf uns gewartet hatten. Jedes Mal, wenn wir dort eintauchten, sprangen die alle auf und jubelten uns zu und feuerten uns nach Leibeskräften an und jedes mal bekam ich aufs Neue eine Gänsehaut. Soviel Anfeuerung durch Fans beflügelte uns regelrecht und hatte zweifellos mit dazu beigetragen, dass wir am Ende der beiden Rennen ganz oben auf dem Siegerpodest standen“. Mit den 37 WM-Punkten erreichten Netterscheid/Hassold den Zweiten Platz in der WM, den sie bis zum Ende der Meisterschaft halten konnten.
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Glücklos in 1989
Der Tschechische WM-Lauf für die Moto-Cross Gespanne fand 1989 erneut in Oubenice statt. Walter Netterscheid erschien dort mit seinem neuen Beifahrer Lothar Jehle und stand wieder ganz im Fokus der erneut sehr zahlreich erschienenen Zuschauer. Im umfangreichen, aus Glanzpapier erstellten Programmheft zum Rennen fand sich Netterscheid als Sieger der beiden Vorjahre in zahlreichen Fotos wieder. Technisches Pech verhinderte jedoch 1989 ein ähnlich gutes Ergebnis. So ist eben der Motorsport. Die Weltmeisterschaft 1989 schlossen Netterscheid/Jehle mit dem 8. Platz ab.
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