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Nürburgring
früher Südschleife
für Motorradrennen bevorzugt Die alte Südschleife war trotz der kürzeren Strecke nicht einfach zu fahren: viele der Kurven waren sogenannte „Hundskurven“, die sich in ihrem Ausgang tückisch zuzogen. Im Verhältnis gab es deshalb auf der Südschleife viele böse Unfälle. Anfang der 1970er Jahre wurde deshalb ausschließlich die berühmtere Nordschleife „renoviert und überarbeitet. Der Rennbetrieb auf der Südschleife fand 1970 ein Ende und 1972 wurden einige Streckenabschnitte gar ganz abgerissen und andere zur Kreisstraße K72 für den allgemeinen Verkehr umgebaut. Die alte Südschleife, auf der bis 1969 noch Weltmeisterschaftspunkte ausgefahren wurden, gehört heute zu den „vergessenen Rennstrecken“, zu denen einst abertausende Zuschauer pilgerten, um Motorsport zum Greifen nahe erleben zu können.
Wer sich noch mehr über den alten Nürburgring und seine Südschleife informieren will, dem sei die hervorragende Dokumentation der Hompage „Pro Steilstrecke“ unter dem Link http://www.pro-steilstrecke.de/mythos.htm empfohlen. |
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Einfach
naheliegend für Scholtis Der Nürburgring war nicht nur die nächstgelegene permanente, Rennstrecke wo sich im Wettbewerb auf der Nord- und viel mehr noch auf der alten Südschleife gemessen werden konnte. Hier nahm Scholtis auch die Möglichkeiten war, seine Tuning-Ideen auf ihre Leistungs- und Standfestigkeit hin zu testen und natürlich auch die eigene Fahrtechnik mit dem Rennmotorrad zu üben und weiter zu entwickeln. Regelmäßiges
Training auf der Südschleife
Die ersten Trainingssitzungen auf der Südschleife unternahm Scholtis 1961 als seine Adler noch mit DKW-Gabel und normalen Straßenreifen - Metzeler Block C - ausgerüstet war. Er fragte an der Ringzufahrt wegen Trainigsrunden an und erfuhr dabei, dass dazu das Motorrad zugelassen und mit einem Kennzeichen ausgerüstet sein musste. Anschließend sorgten die schleifenden Auspuffrohre für beeindruckenden Funkenflug in den Kurven. Bei so viel Training auf der Südschleife war es auch nicht verwunderlich, dass Scholtis schon 1963, also noch sehr früh in seiner Rennfahrerkarriere, erstmals einen neuen Rundenrekord für Motorräder auf der Südschleife aufstellte. Das Besondere bei diesem Ereignis war, dass Scholtis als Ausweisfahrer – das war damals sozusagen die Anfängerklasse – im Rahmen eines Juniorenpokallaufes diese Rekordrunde fuhr und keiner der Fahrer mit internationaler Lizenz und leistungsstärkerem Motorrad an diesem Tag diese schnelle Rundenzeit erreichte. |
Nürburgring
als Hohe Schule des Tunings Wann immer auf dem Nürburgring in den 1960er Jahren ein Lauf zur Motorrad-WM stattfand, dann war das für Scholtis die naheliegendste Möglichkeit um sowohl bei den Werksteams Tuning-Studien zu betreiben als auch um an seltene aber wirkungsvolle Tuningteile zu gelangen. Bei den Motorsteuerzeiten, den Brennraumformen und dem idealen Verlauf der Strömungskanäle des Zweitaktmotors konnte Scholtis in den 1960er Jahren so schnell schon niemand mehr etwas vormachen. Als die Grand-Prix-Fahrer und die Ausweisfahrer in den 1960er Jahren sich noch das Fahrerlager teilten, dann fand sich Scholtis bei einer Demontage seiner wassergekühlten Adler selbst einmal von mehreren mandeläugigen Japanern umgeben, die mit ihren Kameras offenbar Eindrücke vom Motorinneren festhalten wollten. Umgekehrt fand für Scholtis die Form der Auspuffbirnen besonderes Interesse, denn hier hatten die Werksteams Erfahrungen aus langen Versuchsreihen in die Praxis umgesetzt, auf die auch Scholtis vertraute und die Auspuffformen im Sinne idealer „oszillierender Gassäulen“ einfach versuchte nachzubauen. Schließlich bietet der Auspuff des Zweitaktmotors ein erhebliches Potenzial um Leistung zu gewinnen oder eben auch zu verpassen und verpassen wollte Scholtis nichts. Seine Rennmotorräder waren stets kompromisslos für den optimalen Renneinsatz und den Sieg vorbereitet. Dafür war Scholtis kein Weg zu umständlich und keine Arbeitsstunde zu viel.
Scholtis erzählt
heute: „ Rennreifen gab es damals von Dunlop und von Avon
nur für die Werksrennmaschinen. Man konnte diese deshalb nur
für viel Geld unter der Hand kaufen und das war alles andere
als einfach. |
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Zahlreiche Rekordrunden Mehrfach brach Scholtis in den Folgejahren die bestehenden Rundenrekorde. 1967 außer mit der 250er auch noch mit der 251er Eigenbau-Adler in der 350er Klasse. Seine Zeiten in beiden Klassen waren fast gleich, sie unterschieden sich nur in Zehnteln von Sekunden.
Ab 1968 fuhr Scholtis mit der internationalen Lizenz. Bei den wenigen internationalen Rennen, an denen er teilnahm, gelang es ihm oft mit den von ihm selbst vorbereiteten Maschinen „der Weltspitze um die Nase zu fahren“, so bei den WM-Läufen in Hockenheim und auf dem Nürburgring. Die Nürburgring-Südschleife blieb indessen Scholtis Heimstrecke. Sein Renntransporter, ein Ford-Bus FK 1000 und so weit mit Werkzeug ausgerüstet, dass er ggf. auch abends am zerlegten Motor arbeiten konnte, um in aller Frühe des nächsten Tages weiter zu testen und zu trainieren.
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Am Lauf zur Deutschen Motorrad Straßenmeisterschaft im Herbst 1968 auf der Nürburgring-Südschleife nahm auch Reinhard Scholtis teil. Leider hielt seine superschnelle Yamaha TD1B das Rennen nicht bis zum Schluss durch. Bis zum Ausfall hatte er jedoch erneut eine neue absolute Rekordrunde mit der Zeit von 3:09,2 Minuten aufgestellt. Dieser absolute Rundenrekord wurde nur 1969 beim WM-Lauf von Giacomo Agostini mit der 350er Werks MV-Agusta mit einer Zeit von 3:08,7 Minuten unterboten. In der 250er Klasse hält Scholtis indessen den ewigen Rundenrekord, nur 5/10 Sekunden vom ewigen absoluten Rundenrekord für Motorräder entfernt. Interessant ist auch die Zeitdifferenz zwischen der Rekordrunde 1963 mit 3:48,8 Minuten und der etwa 5 Jahre später mit 3:09,2 Minuten. Der große zeitliche Unterschied zeigt die enorme Entwicklung, die in der Motorradrenntechnik jener Jahre gemacht wurde. |
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Fotos: Archiv
Reinhard Scholtis und Walter Kotauschek aus Porz-Grengel