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Walter Netterscheid
Moto-Cross auf höchstem Niveau

Die Meisterkurse bei den OMK-Rennen


Schon im ersten Jahr bei der OMK fuhren Netterscheid/Overkamp auf den ersten Platz der Nordgruppe.
Beim Endlauf verhinderte allerdings die Technik ein gutes Abschneiden

Wechsel zu OMK-Rennserien

Vorweg nochmals etwas Verbands-Kunde
Die größere Reputation hatten in Deutschland die Motocross-Veranstaltungen der OMK. Das liegt daran, dass die der OMK angeschlossenen Clubs flächendeckend in ganz Deutschland zu finden sind. Ab 1998 ging die OMK (Oberste Motorrad-Sportkommission) im DMSB (Deutscher Motor Sport Bund e.V.) auf. Die OMK war bzw. der DMSB ist Ausrichter der bundesweiten Deutschen Meisterschaften und über die FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) auch an der Ausrichtung der Weltmeisterschaftsläufe beteiligt.

Ab 1979 wollten Netterscheid/Overkamp in dieser OMK Liga spielen. Dieses war jedoch nicht über ihren dem DAMCV angeschlossenen Club in Roggendorf möglich. Der OMK angeschlossenen Motorsportclubs waren über den DMV oder den ADAC organisiert. Also standen beim Jahreswechsel zu 1979 für Walter Netterscheid und Hubert Overkamp zunächst der Wechsel vom Roggendorfer Club zum MSC Euenheim an.

Für die nationalen Seitenwagen hatte die OMK in jenen Jahren eine Nord- und eine Süd-Gruppe ausgeschrieben, deren besten Teams am Jahresende zur Ermittlung des Deutschen OMK-Meisters gegeneinander fuhren.



1979 OMK-Pokallauf in Marktaschendorf. Noch zwei Plätze bis zur Spitze


In der Gruppe Nord gab es 1979 ein erfolgreiches Abschneiden.

Technische Probleme in der Anfangszeit
Netterscheid/Overkamp fuhren in der Nordgruppe schon 1979 sehr erfolgreich. Bei den OMK-Endläufen hatten sie jedoch in den ersten Jahren vermehr technisches Pech bzw. Ausfälle zu verzeichnen. Pokalsieger wurde 1979 Reiner Schittenhelm mit Yamaha-XS-Motor in einem EML-Fahrwerk.

Das letzte Rennen im Jahr war in jener Zeit traditionell in Euskirchen-Dom Esch, und zwar jeweils etwa in der Mitte des Monats Oktober. Zwar war das kein Meisterschaftslauf mehr aber stets ein schöner Saisonausklang vor dem Winter, zu dem sich gerne viele gute Fahrer aus nah und fern einfanden. Dort trafen im Oktober 1979 Netterscheid/Overkamp nach ihrem technisch bedingt missratenen Endlauf erneut auf Pokalsieger Reiner Schittenhelm und seinen Beifahrer Rohrbacher. Diese hatten schon zu dem Rennen einen Yamaha-Motor in einem neuen Wasp-Fahrwerk von Zabel gesteckt. Netterscheid/Overkamps Ziel für das Dom Escher Rennen war, eben diesen Pokalsieger zu schlagen.

Beim ersten von den beiden Rennen hatten die beiden Buschhovener auch einen hervorragenden Start und führten das Feld schon einige Runden lang an, bis sich ein kapitaler Getriebschaden einstellte, bei dem ein beschädigtes Zahnrad von Innen sogar ein klaffendes Loch in das Getriebegehäuse geschlagen hatte und das Getriebeöl auslief. Netterscheid/Overkamp hatten darauf hin den Tag schon abgeschrieben. Doch dann erschien im Fahrerlager Freund Günter Euskirchen, der beim DAMCV selbst Gespann Moto-Cross fuhr und ein hervorragender Monteur und ein noch besserer Improvisator war. Dieser meinte nach einer kurzen Begutachtung des Schadens: „Das ist alles kein Problem!“ Und schon griff er zum Werkzeug und ersetzte durch die von Netterscheid mitgeführten Ersatzteile zunächst die beschädigten Getrieberäder und Wellen. Ersatz für das durchschlagene Getriebegehäuse stand jedoch nicht zur Verfügung. So nahm Euskirchen kurzerhand das Dichtmittel Hylomar setzte damit das herausgebrochene Stück Getriebegehäuse wieder ein. Um ganz sicher zu gehen, wurde anschließend jedoch kein Getriebeöl mehr eingefüllt. Euskirchen nahm stattdessen Fließfett und meinte dazu hoffnungsfroh: „Die 30 Minuten Rennen hält das Getreibe auch mit dem Fett stand!“


Das Foto ist Bestandteil des damaligen Berichtes der Kölner Rundschau über das Rennen im Oktober 1979 in Dom Esch. Walter Netterscheid schaut Günter Euskirchen (nur Rückenansicht) bei der Getriebereparatur zu. Zum kompletten Zeitungsbericht bitte auf das Foto klicken

Im zweiten Lauf übernahmen Netterscheid/Overkamp mit dem provisorisch reparierten Getriebe vom Start weg die Führung und bauten diese noch aus, bis sich Beifahrer Hubert Overkamp an dem großen Sprunghügel bei der Landung den Bruch eines Fußknochens zuzog. Damit war zwar das Rennen für die beiden nun endgültig vorbei und sie waren auch frustriert, trösten konnten sie sich jedoch damit, dass sie dem Meister Schittenhelm noch vor der Winterpause zeigen konnten, „wo denn der Hammer hing“.



Der Verlust des Kotflügels am Boot war ein ernstes Handikap


1980 DM-Lauf in Mockmühl. Netterscheid/Overkamp wurden Dritte


OMK-Polkallauf 1979


Gespann mit Yamaha XS 650 Motor und aufwendiger Farbgestaltung


Start 1981 in Ransbach-Baumbach, inzwischen mit einem Yamaha-Motor, der sehr stark und zuverlässig war. Leider endete für die beiden das Rennen an einem Baum und für Walter Netterscheid im Krankenhaus

Verbreitete Motorentechnik um 1980
Beim OMK-Pokal fuhren Netterscheid/Overkamp immer noch den Norton-Motor im Saki-Fahrwerk. Der war inzwischen schon auf 920 ccm aufgebohrt worden. Das war auch die Zeit, als der Stern der Yamaha XS 650 Motoren im Gespann-Motocross-Sport aufging. Mit dem auf 1.000 ccm erweiterten Hubraum war der Motor von seiner Leistungsentwicklung und auch von seiner Standfestigkeit her eine gute Wahl. Den bemerkenswertesten Erfolg erreichte mit diesem Motor in einem Wasp-Fahrwerk Reinhard Böhler und sein Beifahrer Siegfried Müller 1980 mit dem Sieg der ersten Weltmeisterschaft der Moto-Cross-Gespanne, womit die beiden die ersten und bisher einzigen Deutschen Weltmeister dieser Sportart wurden.

Frustrationstolerenz gehört zum Sport
An Netterscheids Norton war das Getriebe regelmäßig ein Schwachpunkt. Von Otto Hermeling aus Blankenheim in der Eifel hatte er deshalb ein Getriebe mit stärkeren weil größeren und damit schwereren Rädern erworben und dieses erwartungsvoll verbaut. „Leider sprangen bei diesem verstärkten Getriebe aber immer wieder die Gänge raus in den Leerlauf, und zwar immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen konnte, wie etwa nach dem Start.“ Als Grund stellte sich später heraus, dass die deutlich stabileren Getrieberäder auch deutlich schwerer waren die originalen Teile, und zwar so viel, dass die originale Schaltkulisse und die Federn zu schwach waren um eine sichere Funktion des Getriebes zu gewähren. Es war damals schon keine Seltenheit, dass die Testläufe der auf dem Markt angebotenen speziellen Technik erst nach dem Kauf durch den Kunden erfolgten. Hinter der Renntechnik standen ja schließlich keine Großserienproduktionen, die von weltweit agierenden Großkonzernen entwickelt wurden, es waren die Ideen und Arbeiten von einzelnen Tüftlern und entweder gab es das Try- and Error-Prinzip oder sonst gar nichts. Das gehörte leider mit zum Gespann-Moto-Cross-Sport. Klar, dass solche technischen Probleme auch immer wieder Grund gaben, sich Löcher in den Bauch zu ärgern.

Netterscheid/Overkamp hielten durch und fuhren immer mehr auf der Erfolgsspur. Als sie ab 1981 auch um den bei den Zuschauern sehr beliebten Internationalen OMK-Pokal zusammen mit vielen aus dem Ausland stammenden Spitzenteams fuhren, belegten Sie am Jahresende einen sehr beachtlichen fünften Platz. In der Deutschen Meisterschaft erreichten Sie 1981 den vierten Platz.


Reinhard Böhler (abgewand schauend mit rotem Sweath Shirt) 1980 dem Jahr seiner Weltmeisterschaft am selben Start wie Netterscheid/Overkamp. Erkennbar ist der auf 1.000 ccm umgebaute Motor der Yamaha XS 650


1981 fuhren Netterscheid/Overkamp ebenfalls einen vergrößerten Yamaha XS 650 Motor im Wasp-Rahmen. Leider gab es in diesem Jahr verletzungsbedingte Ausfälle. Hinter dem Beiwagen Hubert Overkamp mit seiner Frau Agnes, auf dem Beiwagen sitzt deren Tochter Iris

Overkamp steigt als Beifahrer aus

Beim Gespann-Moto-Cross muss der Beifahrer sowohl den höchsten körperlichen Einsatz bringen als auch liegt bei ihm das Verletzungsrisiko am höchsten.
Bis Ende 1981 hatte Hubert Overkamp den Beifahrerjob bei Walter Netterscheid gemacht, nie war er bei einem anderen im Boot mitgefahren, gemeinsam waren sie in diesen Sport hinein gewachsen, hatte aber auch sehr viel Freizeit mit dem Sport verbracht, viel Geld hinein gesteckt und er war manches Mal auch verletzt worden. Nach diesen sechs Jahren und einer erneuten Verletzung, die er sich beim Rennen in Villingen-Schwenningen zugezogen hatte, war es für Hubert Overkamp genug. Er verkündete sein Aufhören als Beifahrer.




Im Team betätigte sich Hubert Overkamp fortan als Mechaniker und Helfer. Und wenn Walter Netterscheid Wochentags zwischen den Rennen nach Feierabend am Gespann seine „Hausaufgaben“ machte, dann war Hubert Overkamp regelmäßig dabei, beim Putzen, Inspizieren, Pflegen und Reparieren des Gespanns. Zum Glück wohnten ja beide im selben Dorf, nur wenige Straßenzüge voneinander entfernt.


Nach 1981 war Hubert Overkamp verstärkt als Mechaniker im Team tätig. Hier 1986 zusammen mit Günter Heppe und Walter Netterscheid


Netterscheid/Overkamp war sechs Jahre lang im Moto-Cross als Team gewachsen


Netterscheid/Overkamp 1981 auf Wasp Yamaha


Bei der Siegerehrung ganz oben, Netterscheid/Overkamp. Rechts im weißen Sweath Shirt mit Blumenstrauß der unvergessene Ottmar Königsdorfer. Im Bundeswehr-Kampfanzug von hinten der Streckensprecher Hermann-Josef Deutschbein

Erste Weltmeisterschaftsteilnahme 1982
mit Erich Mies als Beifahrer

Der neue Mann im Boot war ab 1982 Erich Mies aus Freilingen in der Eifel. Der hatte zuvor einige Rennen im Boot von Weltmeister Reinhard Böhler geturnt, jedoch ohne dabei glücklich zu werden. Die Möglichkeit, mit Walter Netterscheid zu fahren, kam ihm da zum Wechesln wie gelegen. Netterscheid und Mies fanden schnell und gut zusammen. „Der Erich hatte eine Bärenkondition, die fast nicht zu verbrauchen war“, erinnert sich Walter Netterscheid.


Netterscheid hatte sich schon 1981 nach Overkamps verletzungsbedingtem Ausfall mit Erich Mies zusammengetan


Walter Netterscheid und Erich Mies beim Winter-Moto-Cross in Schnaitheim 1983

Für 1982 hatte sich die beiden mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft viel vorgenommen. Aber im Grunde war das nichts anderes, als dass beide konsequent ihre motorsportliche Laufbahn weiter ausbauten. Der dritte Platz in der Deutschen Meisteschaft für Netterscheid/ Overkamp 1981 schafften die formalen Voraussetzungen für die WM-Teilnahme in 1982.

Im März 1982 berichtete der General Anzeiger über die Weltmeisterschaftspläne des Buschhovener Gespanns. Mehr

Inzwischen war es für Netterscheid zur Selbstverständlichkeit geworden, sich jährlich ein neues aktuelles Gespann zuzulegen: „Wer ganz vorne mitfahren wollte, kam um einen solchen Einsatz nicht herum“, war seine schon früh gewonnene Erkenntnis. Wie im Vorjahr hatte das Gespann einen englischen Wasp-Rahmen und den auf 1.000 ccm erweiterten Yamaha XS 650 Motor. Gegenüber dem Norton-Motor war der Yamaha-Motor um Welten besser, sowohl was die Leistungsentwicklung anbelangte als auch die Zuverlässigkeit. Worüber Walter Netterscheid hin und wieder aber schon nachdachte war das hohe Gewicht des Gespanns von etwa 240 kg, an dem der Motor einen gehörigen Anteil hatte. Mit dem hohen Gewicht erklärte sich Netterscheid das untersteuernde schwerfällige Fahrverhalten dieses Gespanns. Aber seine Konkurrenten mühten sich mit gleichartig schwerfälligen Gespannen ab.

Im Herbst des Jahres 1983 hatte Erich Mies schon kundgetan, dass er etwas kleiner treten und Moto-Cross nur noch als Solofahrer betreiben wolle. So musste sich Walter Netterscheid erneut nach einem Beifahrer umschauen. Günter Euskirchen war wegen seiner Motorenkenntnisse und nicht zuletzt auch wegen seines sichbar hohen Gewichtes in der Szene ein bekannter Mann, der sich seinerseits auch bestens dort auskannte. „Wenn du mal einen neuen Beifahrer brauchen solltest, dann halte dir den Hoorman warm! Falls du den fragen solltest, dann fährt der mit dir“, hatte Euskirchen schon vorher geraten. Nach dem abschließenden Saisonrennen Mitte Oktober in Dom Esch Knüpfte Günter Euskirchen sodann den Kontakte zu Ralf Hoormann mit dem Netterscheid später in der Deutschen Meisterschaft so sehr erfolgreich sein sollte.


Netterscheid/Mies 1983


Start der weltbesten Gespannfahrer 1982 in Frankreich


Netterscheid/Mies beim Weltmeisterschaftslauf in Frankreich


1983 nahm die Zahl der Podestplätze zu. Hier stehen Netterscheid/Mies auf dem zweiten Platz, geschlagen nur von Altmeister und Weltmeister Reinhard Böhler mit seinem Beifahrer Borkhard, auf dem dritten Plöatz Michael Garhammer und Ekhard Bauer


1983 unmittelbar nach dem Start zum WM-Lauf in der Schweiz. Netterscheid/Mies mit Startnummer 21

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