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Karl Schneider erinnert sich an das
Ende des Zweiten Weltkriegs in Bonn-Lengsdorf

Schlimme und in den Erinnerungen nachhaltig wirkende Zeiten sind immer Jahre des Krieges. Gottlob ist es schon mehr als 65 Jahre her, dass zuletzt der Krieg über unsere Region zog. Je länger der Zweite Weltkrieg dauerte, um so mehr waren auch im Rheinland die Lebensumstände geprägt von Bedrohung, Tod, Zerstörung, wahnsinnigen Machthabern, Fliegeralarmen, Unrecht gegen Minderheiten und Hunger. Für die in Deutschland Nachgeborenen sind diese Dinge alle nur schwer nachvollziehbar. Ich selbst bin Jahrgang 1956. Vor dreißig und vierzig Jahren erzählten meine Eltern, meine Großeltern und deren Bekennte und Freunde immer wieder aus der Zeit des Krieges und dem Erlebten. Damals hörte ich immer aufmerksam zu; solche Erzählungen hörten in den 1960er Jahren noch zum Alltag. Der Erlebte Krieg war in den Erinnerungen der meisten Deutschen noch sehr lebendig. Inzwischen wird das Reden über diesen Krieg einerseits seltener und andererseits geschieht dieses aus einer anderen Perspektive. Warum ist klar: Meine Großeltern und Eltern leben schon lange nicht mehr und nach dem statistischen Mittel sind die meisten heute Lebenden nach dem Krieg geboren. Aus diesem Grund befragte ich meinen 1930 geborenen und seitdem in Lengsdorf wohnenden Onkel Karl Schneider als Zeitzeugen, an welche Ereignisse des letzten Kriegsjahres und der Zeit kurz danach er sich noch besonders erinnern könne.

Mein Onkel Karl berichtete mir sehr detailgetreu. Damit diese Erinnerungen für eine größere Leserschaft verständlich sind, habe ich sie mit den allgemeineren Ausführungen verflochten, die Herbert Weffer in seinem bekannten und vorzüglichen Lengsdorf-Buch (Lengsdorf. Die Geschichte eines Bonner Vorortes. Bonn 1974, herausgegeben vom Heimat- und Verschönerungsverein Bonn-Lengsdorf) veröffentlichte. Zwei von mir verwendete Fotos sind mit der freundlichen Genehmigung des Autors dem vorgenannten Buch entnommen.


Karl Schneider 1944 im Alter von 14 Jahren

Erste unmittelbare Kontakte mit dem Krieg

In den ersten Kriegsjahren ging es im Rheinland relativ ruhig zu. Zudem waren die Deutschen ja schon in den Vorjahren latent von den Mächtigen im Deutschen NS-Staat auf den Krieg und das Leben im Krieg vorbereitet worden. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Erzählung meines Vaters, dass er etwa 1937 zu Weihnachten eine Spielzeugkanone geschenkt bekam, die einen Federmechanismus hatte, um kleine Gegenstände als Geschosse zu verschießen. Mit dieser Kanone hätten er und sein älterer Bruder Hans am zweiten Weihnachtstag erfolgreich die Christbaumkugeln vom Baum geschossen und anschließend von ihrem Vater die gebührende Strafe erhalten.

Der Krieg spielte in seinen Anfangsjahren in erster Linie im Ausland und war damit zunächst weit genug entfernt. Es gab da vornehmlich die Sorge um die Verwandten, die zu der Zeit schon als Soldat weit weg an einer der Fronten Dienst taten. Nachdem die Deutschen massive Bombenangriffe gegen Ziele in Rotterdam und Warschau geflogen waren, gab der britische Premierminister Churchill am 17.05.1940 den Befehl zum „strategischen“ Luftkrieg gegen Deutschland.

Lengsdorf, wie überhaupt die ländlichen Regionen Deutschlands gehörten allerdings nie zu den bevorzugten strategischen Zielen alliierter Bomberverbände. Es sei denn, dass sich dort wichtige Verkehrsknotenpunkte oder Industrieanlagen befanden. Selbst für die Bombenterroranschläge ab dem Frühjahr 1942 waren stets die dichtbesiedeten Städte eine größere Attraktion als ländliche Dörfer.

Weffer berichtet, dass es Mitte Mai 1940 die ersten Fliegeralarm in Lengsdorf gab: „Die englischen Flugzeuge kamen meistens in der Zeit zwischen Mitternacht und 03:30 Uhr. Scheinwerfer suchten mit ihrem hellen Strahl den Himmel ab“. Wenn dann ein Flugzeug von einem Lichtstrahl erfasst wurde, setzten die Flakgeschütze vom Brüserberg und vom Venusberg ein „und das Blitzen der Abschüsse erhellte das Dunkel der Nacht. Das Donnern der Kanonen und das Krepieren der Geschosse erfüllte die Luft, und oft hörte man danach mit pfeifendem Ton die Splitter auf Straßen und Dächer aufschlagen“.

Am 30.06.1940 schoss die Flak vom Hardtberg aus über Lengsdorf einen englischen zweimotorigen Bristol-Bomber ab. Glücklicherweise gingen das Flugzeug und die in der Luft schon zerborstenen Flugzeugteile durchweg am Dorfrand nieder "Der Aufschlag des Flugzeugrumpfes hinter der Schreinerei Olzem war teilweise im ganzen Dorf zu hören", erinnert sich Karl Schneider. Die fünfköpfige Besatzung fand den Tod. Nur einen Steinwurf neben der Schreinerei Olzem lag der Rumpf der Maschine mit einem Motor in einem Bohnenfeld. Unter den Trümmern fand man den ersten toten Flieger und die ganze explosive Bombenladung, denn das Flugzeug hatte ja noch nichts von der Bombenladung abgeworfen. Etwas westlich davon fand man in einem Kartoffelfeld einen weiteren Toten der Besatzung. Östlich der Straße lag die Bugkanzel mit ebenfalls einem Toten; und direkt dabei am Straßenrand der vierte Tote. Nördlich davon sah man einen Flügel. Der zweite Motor lag im Hof der Gaststätte Hoffmann (jetzt Bürgerhaus). Die Heckkanzel des Flugzeugs mit dem toten Heckschützen und einem Maschinengewehr lag an der Ohligsmühle gegenüber dem damaligen "Backhaus Klein" quer über dem Bach. Die Bombenblindgänger wurden wenige Tage später von einem Sprengkommando zur Explosion gebracht. In den frühen Kriegsjahren war so ein "Feindabschuss" natürlich ein besonderes Ereignis, und wer die Möglichkeit hatte, schaute sich auch an, was dort vom Himmel gestürzt war. Die Bilder, die dabei mein Vater und meine Onkel im Kindesalter aufnahmen, bleiben heute gottlob den meisten Kindern erspart. Auf der Grundlage der nationalsozialistischen Erziehung und Propaganda ließen sich damals die Jungen der Generation meines Vaters gerne von der Kriegstechnik begeistern, insbesondere, wenn sie erfolgreich war. Mein Onkel Karl Schneider war als kleiner Junge sehr von der Größe des Flugzeugmotors beeindruckt, "der eine Länge von mindestens 3,5 Metern" hatte.

Am 01.08.1940 folgte Hitlers Weisung Nr. 17 für den verschärften Luftkrieg gegen England, denen die Nachtangriffe auf London und die Zerstörung Coventrys folgten. Auch gegen die Deutsche Zivilbevölkerung eskalierte der Bombenkrieg: Am 22.02.1942 erging die Weisung des Befehlshaber des RAF Bomber Command, Luftmarschall Sir Artur T. Harris: Das Hauptangriffsziel habe von nun an die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, vor allem der „Arbeiterschaft“ zu sein.


Sonntagsfoto im Mai 1941. Karl Schneider (2. v.l.) besucht mit seinen
Geschwistern und seiner Mutter den Alten Zoll in Bonn


Mai 1940: Rotterdam brennt nach einem deutschen
Luftangriff.
Foto: Wikipedia


Einzelteile des abgeschossenen Bombers werden von
Soldaten bewacht.
Foto: Weffer, Lengsdorf


Der größte Teil des Bombers schlug im Bohnenfeld neben der Schreinerei Olzem ein. Foto: Weffer, Lengsdorf

Soldatendienst des Vaters und der älteren Brüder

Soldat wurde als erster Karl Schneiders Vater Johann, der schon mit 18 Jahren neben seinem Vater und seinem Bruder Andreas im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient und darüber einen eindrucksvollen Bericht verfasst hatte. Johann Schneider wurde genau genommen sogar zweimal eingezogen: Zunächst war er Soldat von 1940 bis etwa 1941 in Lippe-Detmold. "Wir Kinder bekamen ihn in der Zeit nur einige Male zu sehen, und zwar immer dann, wenn er auf Urlaub nach Hause durfte". Danach war er für eine Zeit vom Wehrdienst befreit, musste aber schließlich von etwa Anfang 1943 erneut als Soldat Dienst tun. Gottlob quasi vor der Haustür. Zuletzt war er in der Einheit, die sowohl für den Schutz der Beueler Brücke in Bonn als auch für die Brücke von Remagen zuständig war. Sein Dienstbüro hatte er in Beuel, eben an der Brücke. Von dort aus konnte er gelegentlich schon mal schnell für einige Stunden nach Hause, um dort nach dem Rechten schauen. Seine Frau Maria kümmerte sich dort derweil um seine fünf Söhne und zwei Töchter.“

In den Soldatendienst zogen Anfang 1943 sein 1927 geborener Bruder Hans als Fallschirmjäger und sein 1928 geborener Bruder Jakob - mein Vater - im Spätsommer 1944 als Infanterist. Letzterer war da noch keine 16 Jahre alt und zählte noch mehr als Hans schon zu „Hitlers letztem Aufgebot“.


Das bekannte Foto der Brücke von Remagen am 09.03.1945. Nachdem sie zwei Tage zuvor von den Amerikanern erobert worden war, werden nun gefangene deutsche Soldaten darüber geführt, wahrscheinlich ins Gefangenenlager auf den Rheinwiesen bei Sinzig

Nach der Einnahme der Brücke von Remagen gelangte Johann Schneider im Siebengebirge in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde zunächst in dem großen Gefangenenlager auf den Rheinwiesen bei Remagen - in der sogenannten "Goldenen Meile" - interniert. Von dort aus übergab man ihn an die französische Besatzung, die ihn bis März 1946 in Frankreich Arbeitsdienste leisten ließ. Danach wurde er von dort nach Hause entlassen.

Sein Sohn Hans kehrte Anfang Juli 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück, als die Oma Elisabeth - Johann Schneiders Mutter - gerade begraben war. Jakob kam schon kurz nach Kriegsende von seinem Einsatz in Dänemark zurück. Die westlichen Alliierten hatten offenbar ein Nachsehen mit halben Kindersoldaten und verzichteten darauf, Hans und Jakob noch als Kriegsgefangene lange zu inhaftieren oder in den Arbeitsdienst auf die britischen Inseln zu stecken, wie sie es vielen älteren Soldaten machten.


Johann Schneider 1944 vor seinem „Büro“ in Beuel


Hans Schneider 1946


Jakob Schneider 1944 im Alter von 15 Jahren
kurz vor der Rekrutierung

Schlimme Bombennächte

Karls Vater Johann durfte zwar seine Einheit an der Beueler Brücke hin und wieder einmal für einige Stunden verlassen und zu Hause vorbeischauen, sein Aufenthaltsort mit ständiger Präsenzpflicht war jedoch seine Kompanie. Bevor Karls Bruder Jakob im Sommer Soldat wurde, war er schon Monate vorher im RAD-Einsatz in der Tschechoslowakei und deshalb nicht zu Hause. Seit Anfang 1944 war Karl Schneider also mit 14 Jahren das älteste männliche Mitglied im Kreise der Familie. Sein Bruder Andreas war erst zwölf und sein Bruder Willi neun Jahre alt. Am jüngsten waren seine Schwestern, und zwar Maria sieben und Gisela eben einmal zwei Jahre. Seine Mutter Maria war bis zum 23.09.1944 schwanger, gebar quasi zu Beginn der schlimmsten Kriegszeit Klara, die jedoch schon zwei Tage später - die genauen Gründe weiß man bis heute nicht - verstarb.

Klar dass sich unter solchen Umständen Karl Schneider trotz seiner jungen Jahre sozusagen als "ältester Mann im Haus" schon in einer besonderen Verantwortung sah. An den Krieg hatte man sich nach über fünf Jahren fast schon gewöhnt und man war ihn zugleich mehr als überdrüssig; aber ändern daran konnte man nichts. "Die Bombenflugzeuge flogen meistens über Lengsdorf hinweg, weiter zu den Städten im Osten und wenn sie zurückkamen, hatten sie ohnehin keine Bomben mehr an Bord, die uns gefährlich werden konnten."

"Den Keller unseres Hauses Kreuzbergstr. 6 (1944 noch: Am Uhlberg“) hatten wir luftschutzfest gemacht. Dazu wurde die Kellerdecke mit Stützen von unten verstärkt. Diese Kellerdecke hätte damit allenfalls den Schutt ausgehalten, falls das Haus zusammengestürzt wäre. Der so geschützte Keller war für einen längeren Aufenthalt der Familie und der übrigen Hausbewohner eingerichtet: Dort standen Betten und ein Kanonenofen sorgte für Wärme. Als 1944 die Luftalarme an Häufigkeit zunahmen, gingen wir oftmals schon zum Schlafen gleich in den Keller".


Sonntagsfoto 1940 vor der Haustür


Sonntagsspaziergang Sommer 1940 mit Großvater Jakob Butter. Ein Foto
aus einer noch friedlicheren Zeit. Im Hintergrund Endenich und rechts die Mordkapelle

Bombennacht vom 28.12.1944

Die Alliierten flogen am Abend dieses Tages einen Luftangriff auf Bonn, bei dem auch Lengsdorf und Endenich angegriffen wurden. Das Führungsflugzeug war von der deutschen Flak abgeschossen worden, aber erst, nachdem es noch den kleinen Fallschirm mit dem roten Zeichen zum Bombenabwurf gegen 19:00 Uhr über Lengsdorf absetzen konnte.

Die Karl saß zu der Zeit wieder mit seiner Mutter und den jüngeren Geschwistern im Keller der Kreuzbergstr. 6. Karl hatte seinen Platz neben dem Kanonenofen eingenommen, als das Bombardement begann. "Man hörte genau, wie die Flieger von Westen nach Osten ihre Bombenlast abwarfen. Die Kellerwände wackelten und den neben mir stehenden Kanonenofen hielt ich fest, weil ich sonst befürchtete, dass der umkippte". Als schließlich nach unendlich langen 15 Minuten die Bombendetonationen nachließen, traute Karl sich nach oben, um nach den unmittelbaren Schäden zu schauen, so weit dieses die Dunkelheit zuließ. Nach diesem Bombenangriff war der Ort von den vielen brennenden Häusern so hell und zugleich schaurig erleuchtet, wie es die Lengsdorfer bis dahin nicht für möglich gehalten hatten. Die Schneiders hatten großes Glück gehabt: Entlang der Kreuzbergstraße waren mehrere Bomben niedergegangen und viele Gebäude lagen vollkommen im Schutt darnieder. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite klaffte ein großes Bombenloch. Offenbar war die Bombe im relativ weichen Erdreich zunächst sehr tief eingedrungen, bevor sie explodierte. Deshalb hatte sich der Druck zur Seite hin, also auch zum Haus unserer Familie hin, nur begrenzt ausdehnen können. Am Haus selbst waren alle Fenster einschließlich Fensterrahmen zerstört und auf dem Dach fehlten alle Ziegeln. Das Haus des Nachbarn Gabriel Schmitz, Kreuzbergstr. 4 war vollständig zerstört. Wie sich später erst herausstellte, war in Nachbar Windens Garten (Kreuzbergstr. 8) eine 10-Zentner-Bombe eingeschlagen, die allerdings im weichen Boden nicht explodiert war. Erst am 07.05.1997 sollte dieser Blindgänger entschärft und geborgen werden. Bei deren Bergung wurden eingen, die jene Bombennacht im Keller von Kreuzbergstr. 6 verbracht hatten, nochmals bewusst, welch großes Glück sie am 28.12.1944 gehabt hatten.


Die zerstörte Möbelfabrik im April 1946

Für den Ort Lengsdorf war es der schlimmste Bombenangriff schlechthin. Herbert Weffer berichtet in seiner Dorfchronik von mindestens 60 Todesopfern. Davon noch keine 250 Meter vom Haus der Familie entfernt alleine 25 Tote in der Möbelfabrik an der Bachstraße (heute „Mühlenbachhof“, im Mühlenbach 2), die gleich zwei Volltreffer erhalten hatte. Unter den Toten fand man u.a. den Fabrikleiter, Angestellte, viele Nachbarn, die in der Fabrik Schutz gesucht hatten, weil sie sich hier sicherer wähnten als zu Hause, und einige Kunden.

Die vergleichsweise geringen Schäden am Haus der Schneiders konnten rasch wieder behoben werden. Johann Schneider fand unter seinen Kameraden einen Schreiner, der bald für die provisorischen Fensterrahmen sorgte, welche man mit Karton aber auch mit "trüben Glasscheiben", aus den Trümmern der zerstörten vorgenannten Möbelfabrik notdürftig ausfüllte.


Bombenloch Ecke Kreuzbergstr./Bachstraße (Am Mühlenbach).
Im Hintergrund Karl Schneiders Elternhaus. Das davorstehende
Haus von Gabriel Schmitz (Kreuzbergstr. 4) hatte das
Bombardement nicht überstanden


Dieser Blindgänger einer 10-Zentner-Bombe war auf dem
Nachbargrundstück Kreuzbergstr. 8 am 28.Dezember 1944
niedergegangen. Am 7. Mai 1997 wurde sie
geborgen und entschärft. Die vorliegende Geschichte
gäbe es wohl nicht, wenn die Bombe bei ihrem Einschlag
explodiert wäre. Das Foto war im Bonner General Anzeiger
und entstand kurz nach der Entschärfung


Das zerstörte Nachbarhaus Kreuzbergstr. 4 im April 1946
Foto: Johann Schneider

Karl Schneiders längster Tag, der 04.02.1945

Am Abend dieses Tages erfolgte gegen 20:30 Uhr der nächste große Bombenangriff auf Lengsdorf und Bonn. Nun waren es vor allem 5 Luftminen und viele Brandbomben, die auf das Dorf niederregneten. "Das was wir in unserem Keller an dem Tag an heftigen Erschütterungen erlebten, war noch um einiges heftiger als am 28.12.1944", berichtet mir mein Onkel Karl. Ursache hierfür waren die Luftminen, von denen gleich zwei relativ nahe in der Bachstraße (heute: Im Mühlenbach) einschlugen.

Als der Angriff vorüber ist und Karl sich als erster wieder aus dem Keller traut, ruft ihm schon einer der Nachbarn zu: "Was seid ihr noch im Keller? Seht ihr denn nicht, dass oben euer Haus brennt!". Und tatsächlich, im obersten Stockwerk sieht Karl den Feuerschein. Offenbar war dort eine der vielen Brandbomben eingeschlagen. Karl hat den Ernst der Situation sofort begriffen. Wie alle Kinder seiner Generation hatte er in der Schule und im Jungvolk gelernt, mit den Kriegsereignissen umzugehen – dazu gehörte auch das Löschen von Brandbomben. Im nächsten Moment hastet er schon geistesgegenwärtig so schnell er nur kann die Treppe hinauf in die von der Familie Höschler gemietete Wohnung. Das zur Straße hin gelegenen Schlafzimmer ist von der Brandbombe hell erleuchtet. Diese steckt in einem mit Wäsche gefüllten Vertiko, welches samt Inhalt schon Feuer gefangen hat. Schon hat Karl einige herumliegende Wäschstücke schützend in seine Hand genommen , ergreift damit die Brandbombe - ein sechseckiger Stab aus Stahl, Aluminium und Magnesium - an ihrem noch nicht brennenden Ende und wirft sie eilig durch das geöffnete Fenster auf die Straße. Dort kann sie keinen weiteren Schaden anrichten. Im nächsten Moment springt er zum im Dachgeschoss grundsätzlich bereitstehenden Löschkübel und Löschsand und löscht damit das noch brennende Vertiko. Jetzt erst schaut er nach oben und sieht das Loch, dass die Brandbombe durch Dach und Zimmerdecke geschlagen hatte. Die Gefahr für das elterliche Haus war da aber schon dank Karls entschlossenem und geistesgegenwärtigem Handeln gebannt.

Aber das Nachbarhaus Müller (jetzt Allermann) unmittelbar neben der naheliegenden Schmiede an der Bachstraße (heute: Im Mühlenbach) brennt lichterloh. Karl gönnt sich deshalb nach seiner Heldentat keine Verschnaufpause und sprintet die Treppen hinab und zum Nachbarhaus, um sich an den Löscharbeiten zu beteiligen. Dazu stellt er sich in das eiskalte Bachwasser, weil er so schneller die Eimer mit Wasser füllen kann, die sodann in einer Kette aus weiteren Helfern zum Löschen weitergereicht werden. Aber die Löscharbeiten sind im Grunde schon zwecklos, denn das Feuer steckt schon zu sehr mitten drinnen im Fachwerkgemäuer aus Holz, Lehm und Stroh. Da erst erreicht Karl auch schon die nächste Horrormeldung von Passanten: "Was löscht du hier das Haus, an dem sowieso nichts mehr zu retten ist. Sieh mal lieber nach dem Haus deiner Großmutter, das ist nur noch ein Schutthaufen!"

Es ist ja schon nach 21:00 Uhr und dunkle Nacht. Im Feuerschein des brennenden Nachbarhauses, dem Rauch und dem Staub kann er nicht bis zum Haus der Großmutter in etwa 300 m Entfernung schauen. Zu sehr haben ihn auch die nächstliegenden Umstände in Anspruch genommen. Voller Sorge eilt er auch schon bachabwärts. Im Feuerschein erkennt er, dass die Straße voller Schutt und Gebäudeteile liegt. Er muss schon genau schauen, wo er hintritt. Dann ist er an dem Ort, wo sein Vater und sein Großvater geboren wurden. Aber im Feuerschein sieht er, dass das ihm vertraute Haus der Oma nur noch ein Haufen aus Schutt und Trümmern ist. Später wird man feststellen, dass eine Luftmine im Hof des Hauses eingeschlagen war die außer Omas Haus auch das der Nachbarn links und rechts völlig zerstört hatte. Insgesamt waren sechs Häuser total in Schutt gelegt.

Karl sorgt sich um seine Oma. Außer Oma wohnte in dem Haus noch sein Onkel Peter samt Familie, der dort eine kleine Maschinenbauwerkstatt mit Gießerei betrieb. Er weiß, dass sein Onkel Peter mit seiner Familie zum Schutz vor den Bomben den von ihm unter seiner Gießerei gebauten Bunker aufsuchen. Jedoch die Oma Elisabeth - genannt „Sett“ - grundsätzlich lieber in ihrem nun in Schutt liegenden Haus verbleibt, wo sie bei Bombenalarm stets den Keller aufsucht. Da sieht Karl auch schon seine beiden Onkel Peter und Josef vor der Ruine. Alle hoffen sie, dass seine Oma und deren Mutter sich beim Bombenangriff auch wirklich in den Keller zurückgezogen hat und dort noch lebt. Rufe nach ihr bleiben ohne Antwort. An dem Steg, der gegenüber Omas Haus über den Bach führt, orientiert man sich jetzt, um im Schutt und den Trümmern des Hauses die Lage des Kellerschachtes zu orten, durch den man in den Keller zur dort vermuteten Oma gelangen will. Und schon beginnen die drei an der richtigen Stelle eiligst und nur mit den Händen den Schutt beiseite zu räumen. Karls Vetter Christian Olzem kommt noch hinzu. Auch er hat von der verschütteten Oma erfahren und beteiligt sich, wie die übrigen mit Bangen und Hoffen nach Leibeskräften an der Bergungsaktion. Doch schon bald stellt man mit Entsetzen fest, dass der Schacht durch die heftige Druckwelle der Mine ebenfalls zerstört und somit gar nicht mehr vorhanden ist. Aber sie geben nicht auf: Sie räumten noch mehr Schutt beiseite und hoffen, die Oma in einem noch erhalten gebliebenen Kellerteil lebend zu finden. Nach über zwei erschöpfenden Stunden antwortet die Oma plötzlich auf die Rufe der Retter. Das gibt neue Antriebskraft, das sorgt weitere Adrenalinschübe, der die Schmerzen der schon blutenden Hände vergessen lässt.

Gegen Mitternacht ist es dann so weit: Ein Gang oder besser ein Loch ist so weit freigeräumt worden, dass man bis in den Kohlenkeller vordingen kann. Dort sitz die Oma auf den Briketts total eingestaubt und nur mit einer leichten Verletzung am Bein. Dort hatte sie wenige Stunden zuvor das Ende ihres Zuhauses erlebt, das im wahrsten Wortsinn über ihr zusammenstürzte. Es müssen ganz schreckliche Stunden für die alte Dame gewesen sein, in der Dunkelheit, ganz alleine und verschüttet.
Für die vier Retter war das Auffinden der überlebenden Oma nach all den Schrecken dieses Tages wenigstens ansatzweise ein Erfolgserlebnis, wenn auch ein überaus trauriges. "Die Oma war mit den Nerven fix und fertig!“, erinnert sich Karl. „Die Onkel Peter und Josef nahmen sie zwischen sich und brachte sie nach Hause in die Kreuzbergstraße 6".


5. Februar 1945, am Tag nach dem Bombardement. Links die Häuser Bachstraße 3 und 5. Rechts die Ruine der Möbelfabrik. Die Straße selbst ist wegen der umherliegenden Trümmer nur noch schlecht passierbar Foto: Johann Schneider

Das Erlebnis des Verschüttetseins unter ihrem Zuhause hatte die Oma für den Rest ihres Lebens traumatisiert. "Sie war danach ein ganz anderer Mensch als vorher", erinnert sich Karl. "Als wir sie aus dem verschütteten Keller zu unserem Haus führten, war das das letzte mal, dass sie ihr Haus sah, bzw. das, was davon noch übrig war“.


5. Februar 1945. Das ist alles, was die Luftminen von den Häusern Bachstr. 5, 7, 9, 11 und
13 übrig gelassen haben
Foto: Johann Schneider


Karl Schneiders Oma inmitten ihrer Enkel im Mai 1938


Das Foto zeigt die Bachstraße (heute Im Mühlenbach) an der
Ecke zum Uhlberg (heute Kreuzbergstr.). Der Mühlenbach
lieg noch offen


Englische Stabbrandbombe


Blick von der Bachstraße auf Karl Schneiders Elternhaus im
April 1946. Durch das Dach oben rechts war am 04.02.1945 die
Brandbombe geschlagen. Ohne Karls Einsatz wäre das Haus
abgebrannt. Die „Garagen“ vorne links waren ursprünglich das „Spritzenhaus“ der Lengsdorfer Feuerwehr. Das linke Tor ist
beschädigt und das rechte fehlt ganz. In diesem Spritzenhaus
wurden die Bombenopfer aus der Möbelfabrik bis zur
Beisetzung aufgebahrt


Bachstr. 11 im Sommer 1922. Karl Schneiders Vater, Tanten und
Onkel wurden hierin geboren. Während des Krieges wohnten hierin
seine Oma und sein Onkel Peter, der im Hinterhaus eine Maschinenbauwerkstatt betrieb


Amerikanischer Bomber B-17 Foto: Wikipedia


Bachstr. 11 am 5. Februar 1944. Das Zuhause seiner Oma liegt
in Trümmern. Durch das Loch in der rechten Bildmitte wurde
in der vorhergehenden Nacht die Oma nach mehrstündiger
verzweifelter Rettungsaktion aus dem Kohlenkeller geborgen
Foto: Johann Schneider

Karl Schneiders Vater Johann hatte die Möglichkeit, am Tag nach dem Bombenangriff einmal kurz zu Hause vorbeizuschauen um nach dem Rechten zu sehen. Er hatte noch einen nicht ganz vollen Film in seiner Kleinbildkamera und fotografierte die Schäden in der Umgebung seines Elternhauses, das nur noch ein Schutthaufen war


Ein englischer Lancaster-Bomber links beim Abwurf einer Luftmine
und rechts beim Abwurf von Brandbomben
Foto: Wikipedia

Kriegsende im Bunkerstollen

Nach den zuvor genannten schweren Bombenangriffen hatte man sich seitens der Gemeindeverwaltung nochmals besonders um einen großen Bunker für die Dorfgemeinschaft bemüht. In den Kreuzberghang an der Straße "Im Bendenberg" trieb man deshalb, nicht zuletzt auch mit Unterstützung der Bauunternehmung Gemüngt & Schneider einen Bunkerstollen, der letztendlich Schutz für ca. 700 Personen bot. Erst Anfang März 1945 wurde der fertig, und da standen auch schon die Amerikaner vor Lengsdorf.

Am Morgen des 8. März 1945 begann der amerikanische Angriff auf den Hardtberg, der vor allem durch die dort liegende deutsche Flak verteidigt wurde. Von Lessenich her zerschoss die Deutsche Artillerie den Turm der Duisdorfer Kirche, an dem zuvor einige Duisdorfer schon die weiße Flagge angebracht hatten. Gegen Mittag zogen sich die deutschen Soldaten vom Hardtberg aus mit ihren Geschützen nach Lengsdorf zurück und versuchten auch von dort aus die vorrückenden amerikanischen Panzer abzuwehren. Deshalb geriet auch Lengsdorf unter Panzerbeschuss.

Als die Amerikaner schließlich um 15:00 Uhr im Ort standen, trug Pfarrer Junkersfeld mit dazu bei, dass die Übernahme des Dorfes weitgehend friedlich verlief. Den Bunkerstollen im Kreuzberg hatten die Amerikaner zunächst für eine militärische Anlage gehalten und wollten den Bunkereingang bereits mit einem Panzer unter Beschuss nehmen, doch auch hier konnte der Pfarrer noch rechtzeitig für Klarheit sorgen und Schlimmes verhindern.

Die Kampfhandlungen in Lengsdorf waren damit für den zweiten Weltkrieg beendet. Nachdem Deutschland Anfang Mai 1945 kapituliert hatte, wartete die Familie auf den Vater und die Brüder, die als Soldaten das Kriegsende erleben mussten.

Oma Elisabeth erholte sich indessen nicht mehr von ihrem Trauma. Kurz nachdem ihr Enkel Jakob aus seiner kurzen englischen Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrte, verstarb sie am 27.06.1945 im Haus ihres Sohnes Johann. Wenige Tage nach Ihrem Begräbnis kam ihr Enkel Hans Schneider aus amerikanischer Gefangenschaft nach Hause. Ihr Sohn Johann konnte ebenfalls nicht bei der Beisetzung dabei sein. Er war in der Zeit noch im amerikanischen Kriegsgefangenenlager bei Sinzig inhaftiert.


Eine im März 1945 völlig zerstörte Rheinbrücke in Köln
Foto: Johann Schneider


Goldhochzeit 1946 in der geschmückten Kreuzbergstraße

Stunde Null - Hauptsache was zu essen

In den ersten Jahren nach dem Krieg war das oberste Streben überhaupt genügend nahrhaftes Essen zu haben, danach kam ein Dach über dem Kopf und dann erst kam das Aufräumen der Schäden und der Wiederaufbau. Zum Glück war die Familie nur bis März 1946 ohne ihren Vater. Im Verhältnis hatte die Familie den Krieg glücklich überstanden. Es gab viele Familien, in denen das Schicksale schwerer zu ertragen war.

Karl Schneider und seinen Geschwister Andreas, Willi und später Jakob bot sich ab dem Sommer 1945 die besondere Möglichkeit, an Kartoffeln zum Einkellern zu gelangen: Die Lengsdorfer Bauern konnten unmittelbar nach Kriegsende einen Teil ihrer Ackerflächen nicht bewirtschaftet, weil in der Kriegszeit Schützengräben darauf angelegt worden waren oder Bomben tiefe Trichter gesprengt hatten. Insbesondere das Schließen der Schützengräben war mühselige Handarbeit, da Maschinen zu diesem Zweck nicht zur Verfügung standen. Karl Schneider war somit von 1945 bis 1950 damit beschäftigt, Schützengräben wieder zu verfüllen. Diese Aktion dauerte mehrere Wochen und stand regelmäßig nachmittags nach der Schule bzw. nach Feierabend an. Als "Lohn" durfte die Familie ein Jahr lang auf dem Grundstück Kartoffeln anbauen und ernten. Danach nahm der Eigentümer bzw. Bauer die wieder hergerichtete Ackerfläche selbst in Gebrauch.
Es war laut Karl Schneider eine sehr mühselige Arbeit, die viel Schweiß und viele Blasen an den Händen gekostet hatte. Außer den Verfüllarbeiten musste ja auch noch der Ackerboden vom Unkraut befreit, die Kartoffeln gesetzt und schließlich geerntet werden. "Aber in dem Jahr, als unser Vater aus der Gefangenschaft nach Hause kam," berichtet mir Onkel Karl auch heute noch nicht ohne Stolz, "konnten wir 150 Zentner Kartoffeln zu Hause einkellern. Die Ernährung war zwar einseitig, aber wir mussten keinen Hunger leiden."

Sorgen bereiteten damals die in den Kasernen an der Duisdorfer Straße (heute Villemombler Str.) zusammengefassten ehemaligen polnischen und russischen Kriegsgefangenen. Diese sollten von dort aus später in ihre Heimat zurückgeführt werden. An den Amerikanern lag es, hier für Ordnung zu sorgen, was ihnen jedoch oft nur unzureichend gelang. In der Regel mit Schusswaffen ausgerüstet, überfielen diese ehemaligen Kriegsgefangenen am helllichten Tag Passanten und raubten Fahrräder, Geld, Eheringe und was sonst noch an "Werten" geblieben war. Von Bauernhöfen stahlen sie Schweine und ganze Rinder und schreckten gar vor Mord nicht zurück. So plünderten "Russen" in der Nacht vom 5. auf den 6. August 1945 das Kloster auf dem Kreuzberg und erschlugen dabei drei Patres und einen heimkehrenden Soldaten, der dort übernachtete. Eine Ordensschwester von der Marterkapelle wurde auf dem Weg zum Kloster Kreuzberg am nachfolgenden Tag von den selben Russen ebenfalls ermordet. Die Region war erneut in Angst versetzt, wenngleich die Bedrohung jetzt eine andere war. Da die amerikanischen Besatzer das Problem nicht in den Griff bekamen, organisierten die Männer der Dörfer so genannte "Alarmdienste".

Im Alltag und beim Wiederaufbau spielten Zigaretten als Währungsersatz, der Schwarzhandel und die Schwarzbrennerei eine wichtige Rolle.

Dieser Spuk ging in Westdeutschland am Tag der Währungsreform schlagartig zu Ende. Ab Freitag, dem 18.06.1948 wurde die DM als die neue Währung an die Bevölkerung verteilt. Ab dem nachfolgenden Montag, dem 21.06.1948, war die DM das alleinige Zahlungsmittel und plötzlich lagen die Auslagen der Geschäfte wieder voll mit Waren und die potenziellen Kunden drückten sich an den Schaufenstern die Nasen platt. Aber das wäre wieder eine neue Geschichte.


Am 7. und 8. Mai 1945 unterzeichneten die deutschen Generäle in Berlin die Kapitulationsurkunden. Hier Wilhelm Keitel
Foto: Wikipedia




Berlin im Mai 1945. Ein verendetes Pferd wird zum Verzehr zerlegt. Das Foto zeigt eine hierzulande heute vergessene Dimension von Hunger
Foto: Wikipedia


Vom Sommer 1945 bis 1947 verfüllten Karl Schneider und seine Brüder ehemalige Schützengräben. Dafür durften die Schneiders für einen Sommer lang Kartoffeln darauf anpflanzen und ernten Foto: Johann Schneider


Lengsdorf im März 1945 Foto: US Air Force

Zum Luftbild in der linken Spalte

Das Foto ist der Ausschnitt eines Aufklärungsfotos der United States Air-Force vom März 1945, also kurz nach der für Lengsdorf verheerenden Bombardierung. Der Fotoausschnitt beschränkt sich auf den Ort Lengsdorf und die umgebenden Ackerflächen. Oben rechts im Bild ist die Kreuzbergkapelle zu erkennen. Die Bombeneinschläge auf den Ackerflächen sind an ihren kreisrunden Kraterformen erkennbar. Einige der Bombenlöcher sind linienförmig angeordnet. Offenbar stammen diese von einer Abwurfserie eines einzigen Flugzeuges. Insofern gibt die Linie der Bombenlöcher die Flugrichtung des Bombenflugzeugs an.

Von Lengsdorf sind die einzelnen Gebäude erkennbar. In den Straßenführungen der Bachstraße und der Hauptstraße fehlen im Siedlungsverbund einige Gebäudeansichten. Dort haben Bomben und Luftminen die Bausubstanz zerstört. Die Trümmer und der Bauschutt der Gebäuderuinen an diesen Stellen erscheinen als weißgraue Flächen. Sie sind im Foto zusätzlich markiert.

Im Verhältnis zu den übrigen Dörfern in unserer ländlichen Region waren die Zerstörungen in Lengsdorf relativ hoch. Einer der Gründe hierfür mag die Möbelfabrik und die Nähe zu Bonn gewesen sein.

In den Städten spielte sich der Bombenkrieg weit dramatischer ab, als auf den Dörfern. Deshalb rechnete man auf den Dörfern auch nicht mit sehr schlimmen Bombenangriffen und begnügte sich mit verstärkten Kellern als Luftschutzraum.
Lediglich Heimerzheim wurde weit mehr zerstört und hatte wegen der vielen Flüchtlinge, die sich dort während des Bombardements befanden eine außerordentlich hohe Zahl an Todesopfern zu beklagen.

Den Lengsdorfern hatten die Bombenangriffe, die Toten, die Zerstörungen und das Leid jedoch mehr als gereicht.

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Zu Johann Schneiders Foto-Rundgang 1946

Buschhoven, März 2011

Hans Peter Schneider



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